Kleine Linksammlung
Jede Menge interessante Seiten finden sich im Netz. Meinen Umgang mit Bookmarks würde ich als eher chaotisch bezeichnen. Grund genug, hier mal ein paar Dinge zu sammeln, um sie wieder zu finden.
Jonathan Coulton ist ein Singer-Songwriter aus Brooklyn, auf den ich durch einen Artikel in der NY-Times aufmerksam wurde. Interessanterweise hat er einen ähnlichen Ansatz verfolgt wie ich in meinem Notiz-Blog: ein Jahr lang, jede Woche einen Song auf der Homepage veröffentlichen. Nur hat Jonathan Coulton das Ganze deutlich konsequenter durch gezogen. Er hat seinen Job gekündigt und tatsächlich jede Woche einen fertigen Song als Podcast online gestellt. Dagegen habe ich jeweils nur Song-Skizzen erstellt, nach einem Jahr eine Auswahl erstellen lassen und arbeite jetzt an den 13 Songs weiter bis sie fertig sind.
Neben der Tatsache, dass mir die Musik von Jonathan Coulton gefällt, finde ich es auch ein schönes Beispiel, was im Internet möglich ist. Er ist er selbst, bleibt authentisch und hat beharrlich weiter gemacht. Das wird von seinen Fans honoriert, so dass er mittlerweile davon leben kann. Glückwunsch.
Ein anderes Beispiel für eine hohe Resonanz im Internet abseits des großen Musikzirkuses ist der kanadische Folkmusikers David Carroll. Eine Fluggesellschaft demolierte seine Taylor Gitarre beim Verladen und wollte hinterher nicht Schuld daran sein. Die frustrierende Auseinandersetzung danach packte er in einen Song und stellte in auf YouTube. Das sehr witzig umgesetzte Lied United Breaks Guitars machte letztes Jahr schnell die Runde und verhalf David Carroll zu einiger Bekanntheit. Da Airlines wohl zu einer eher trägen (wenn überhaupt) Reaktion auf solcherlei Ungemach neigen, schrieb David Carroll 2 weitere Songs zu dem Thema. Auch die Firma Taylor, Hersteller der Gitarre, nutzte die entstandene Aufmerksamkeit um auf den richtigen Umgang mit Fluglinien hinzuweisen: Gitarren dürfen meistens als Handgepäck mit an Bord genommen werden. Da die Angestellten das oft nicht wissen, sollte man sich die Transportbestimmungen der Fluggesellschaft ausdrucken und damit das Bodenpersonal belehren…
Im Kern geht es beim Musik machen immer nur um eins: um die Musik. Nicht mehr und nicht weniger. Wer wirklich ernsthaft als Musiker leben will, muss sich von falschen Träumen verabschieden, konsequent und ehrlich bleiben, und hart arbeiten. Das ist der Kern des sehr lesenswerten Artikel How to make a living with music von Danny Barnes, einem amerikanischen Musiker.
Auch eine wissenschaftliche Betrachtung des sich wandelnden Musikmarkes kann interessant sein, wenn sie – wie das folgende Beispiel – konkret wird und dabei noch leicht zu lesen ist. Andrew Dubber hat vor einem Jahr “Die 20 Punkte über Musik im Web, die Du wissen musst”verfasst (im Original: The 20 things You Must Know About Music Online, deutsche Übersetzung von Wolfgang Senges). Meinem Verständnis für den aktuellen Wandel hat es wirklich gut getan. Ich sehe ein paar der Punkte zwar kritisch, hatte aber auch ein Aha-Erlebnis bei der Frage: Warum kaufen Menschen Musik? Zunächst müssen sie die Musik hören. Das ist der erste Schritt. Ein Teil der Hörer wird die Musik mögen. Das ist der 2. Schritt. Erst dann, im 3. Schritt, werden sich ein paar dazu entschließen, die Musik zu kaufen. Eigentlich ganz einfach. Im Umkehrschluss bedeutet das: ich werde niemanden dazu bringen Musik zu kaufen, wenn ich ihm nicht die Möglichkeit gebe, sie anzuhören. So oft er will. In guter Qualität. In voller Länge.
Eine direkte Umsetzung dieser These machen z.B. Nine Inch Nails, in dem sie ihre Musik unter CC-Lizenz veröffentlichen und zum kostenfreien Download anbieten. Damit ist die nicht-kommerzielle Weitergabe der Musik erlaubt, ja sogar explizit erwünscht. Wer die Musik mag und dann auch etwas kaufen will (oben erwähnter Schritt 3), greift zur üppig aufgemachten CD. Und das tun in diesem Fall nicht wenige. NIN-Mastermind Trent Reznor hat sich vor ein paar Wochen Gedanken zum Thema Was wollte man als unbekannter Künstler tun? gemacht.
Zum Schluss der kleinen Linksammlung noch “Der Wahrheit in die Musikbusiness”, ein Blog eines Musikers, der anonym aus dem Nähkästchen plaudert. Aus Urhebersicht schreibt er zum Thema Videosperren wegen des Streits zwischen Gema und Youtube: “Die ganze Aktion schadet mir also mehr als dass sie mir hilft, denn tatsächlich ist YouTube einer der wichtigsten Fan-Akquise-Kanäle für meine Band”. Erstaunlich auch, dass er als Musiker kaum Auskunft darüber erhält, wer tatsächlich die Sperrungen veranlasst. Und ein Entsperren kann er als Rechteinhaber auch nicht erreichen.
Juni 10th, 2010 at 11:18
[...] An anderer Stelle erwähnte ich bereits den von Andrew Dubber beschriebenen Ablauf beim Musikkauf: zunächst muss man Musik hören, dann wird man sie vielleicht mögen und erst dann entscheidet man sich eventuell auch zum Kauf. Fehlt der erste Schritt, geht die Musik sowieso komplett an einem vorbei. [...]