Urheberrecht und Creative Commons
Das deutsche Urheberrecht trifft natürlich auch auf meine Veröffentlichungen zu. Es regelt, welche Rechte ich habe und wie mein Werk genutzt werden darf. Grundsätzlich kann ich das Urheberrecht an meinem Werk nicht veräußern und habe das ausschließliche Recht über die Verwendung zu bestimmen. Zudem steht mir eine angemessene Vergütung für die Nutzung des Werkes zu.
Das ist im Großen und Ganzen der Kern des Urheberrechts. Ich brauche es auch nicht zu beantragen. Ich habe es automatisch, sobald ich ein Werk veröffentliche.
Jetzt gibt es seit ein paar Jahren unter dem Begriff Creative Commons eine Lizenz, die bei flüchtiger Betrachtung scheinbar anstelle des Urheberrechts verwendet werden kann. Dem ist nicht so. Was aber hat es dann damit auf sich?
Das Urheberrecht an meine Werken habe ich. Automatisch. Selbst wenn ich wollte, könnte ich es nicht los werden. Mit einer Creative Commons Lizenz kann ich, quasi als Ergänzung zum Urheberrecht, die Nutzung regeln. Einfach ausgedrückt kann ich sagen: “Liebe Musikhörer, hört, kopiert und verteilt meine Musik so oft ihr wollt, solange ihr mich als Autor nennt und kein Geld damit verdient.”
Warum hefte ich dann nicht einfach obigen Satz an jedes meiner Lieder? Ganz einfach: das wäre, wenn auch klar formuliert, juristisch wohl etwas dünn. Creative Commons hat es sich zum Ziel gesetzt, Lizenztexte zu erstellen, die einfach anwendbar und rechtlich “wasserdicht” sind. Dadurch ergibt sich für mich eine unkomplizierte und sichere Anwendung eines juristisch doch sehr komplexen Vorgangs. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass sich die Hörern sicher sein können, wie sie mit meiner Musik umgehen dürfen.
Wer es gerne etwas genauer hat, sollte sich direkt bei Creative Commons umschauen.
Warum aber sollte ich die Nutzung auf die Art freigeben?
An anderer Stelle erwähnte ich bereits den von Andrew Dubber beschriebenen Ablauf beim Musikkauf: zunächst muss man Musik hören, dann wird man sie vielleicht mögen und erst dann entscheidet man sich eventuell auch zum Kauf. Fehlt der erste Schritt, geht die Musik sowieso komplett an einem vorbei.
Wichtig ist also, dass möglichst viele Menschen die Musik hören können. Nur wie schafft man das? Der große Musikzirkus investiert große Budgets um ihre Künstler im Radio und Fernsehen zu platzieren. Neuen Veröffentlichungen von etablierten Künstlern entkommt man eigentlich nicht. Irgendwo hört man sie immer. Je häufiger, um so wahrscheinlicher steigen die Verkaufszahlen.
Als unbekannter Musiker, oder Label in Gründung kann ich da nicht mithalten. Ich muss andere Wege finden um gehört zu werden. Die Veröffentlichung unter einer Creative Commons Lizenz ist ein solcher. Ich ermögliche jedem meine Musik zu hören und an andere weiter zu geben. Früher war so etwas in dieser Form nicht möglich. Dank des Internets kann ich diese Möglichkeit nutzen und das werde ich.
Bedenken bei einem solchen Vorgehen hört man auch ab und an. “Du kannst doch deine Musik nicht einfach verschenken” oder “dann hören ja alle deine Musik ohne was zu zahlen” sind die gängigsten. Aber der Musikmarkt wandelt sich. Das Festhalten an alten Strukturen ist bei jedem Wandel zu beobachten.
Mich erinnern diese Argumente eher an die 1920er Jahre, als im aufkommenden Radio Musik gespielt wurde und es massive Proteste seitens der Musikindustrie gab: Schließlich könne ja dann jeder Musik hören, ohne zu zahlen. Das mache die Musikbranche kaputt. Aus heutiger Sicht war es genau andersherum: durch das Radio wurde das enorme Wachstum der Plattenfirmen erst möglich. Das selbe Prinzip: je mehr Menschen die Musik hörten, um so deutlicher stiegen die Verkaufszahlen.
Den aktuellen Wandel kann eh niemand aufhalten. Auch weiß keiner, wo die Reise genau hingeht. Ich für meine Teil versuche die Chancen zu nutzen, die ich sehe. Alte Strukturen an denen ich festhalten könnte hab ich persönlich nicht, daher fällt es mir auch leicht.
Etablierte Vertreter der Branche tun sich da offenbar schwer. In allen möglichen Ecken suchen sie nach Schuldigen und zeitweise gehen sie sogar gegen Hörer vor. Ich schüttele verwundert den Kopf und schließe diesen Artikel mit einem Zitat von Liam Gallagher zu illegalen Musikdownloads (gefunden bei 11k2): “Mich stört das nicht. Ich hasse diese ganzen blöden Rockstars, die sich darüber beklagen: Hey, wenigstens laden sie eure Scheiss-Musik runter, ihr Schwänze, und schenken euch ihre Aufmerksamkeit, oder etwa nicht? Ihr solltet euch verfickt noch mal darüber freuen. Worüber beklagt ihr euch? Ihr habt jeder fünf verfickte Villen, also haltet die Fresse.”