Geschichte

Wir schreiben das Jahr 1507. Die mittelalterliche Metropole Nuremberga schaut zufrieden auf ein paar Jahrhunderte prosperierender Entwicklung zurück. Als europäischer Handelsknotenpunkt zieht es Menschen aus aller Herren Länder in die Mauern der Stadt. Wohlhabende Händler, geschickte Handwerker und berühmte Künstler prägen den Ruf der Stadt.
Inmitten des geschäftigen Treibens auf den Märkten beobachten wir eine junge Maid, die sich aufmacht zur Werkstatt Albrecht Dürers um ein Portrait anfertigen zu lassen, anlässlich ihrer heran nahenden Hochzeit. Der monitäre Aufwand ist natürlich nicht unerheblich, obschon es ihrem Vater, einem reichen Händler, eher um das Prestige geht, seine einzige Tochter vom Meister malen zu lassen. Ja, das Prestige. Er kann sich zwar ein Bild erkaufen, aber den Stellenwert, den er für angemessen hält, hat er nicht in Nuremberga. Noch nicht! Sobald nun seine Tochter den Sohn des Ratsherren ehelicht, wird sich in dieser Beziehung einiges tun. Nicht umsonst soll die Mühe gewesen sein, nicht ohne Lohn das langwierige Ränke schmieden. Über ein Jahr hat er den alten Ratsherrn umgarnt, die Hochzeit eingefädelt. Nun, bald wird sich´s zeigen, welche Macht im das Ganze einbringt.
Derweil ist seine Tochter, die junge Maid, schon geraume Zeit bei Dürer und sitzt starr auf einem Holzschemel, auf das ihr Antlitz von Meisters Hand auf immer festgehalten wird. So richtig glücklich sieht sie nicht aus. Ob es am harten Schemel liegt? Wohl eher nicht. Vielmehr ist ihr jegliche Lebensfreude abhanden gekommen, als ihr Vater ihr die Hochzeit verkündet oder besser verordnet hatte. Just an dem Abend nachdem sie ihre große Liebe gefunden hatte, einen Bauernjungen, der unweit der Burg vor den Toren der Stadt wohnt, machten die Pläne ihres Vaters alles zunichte, was sich kurz zuvor als großartige, leidenschaftliche, vor Glück überschäumende Zukunft aufgetan hatte. Noch heute sehen wir in Dürers Bild diese innere Zerrissenheit als leichte Melancholie in den Augen nachleuchten…

Wie geht es an dieser Stelle weiter? Gehen die Pläne des Händlers auf, findet die Hochzeit statt? Oder entzieht sich seine Tochter dem fremd bestimmten Leben? Tut sie sich am Ende noch etwas an, oder flieht aus Stadt, die doch ihre Heimat ist? Hat vielleicht Albrecht Dürer die Hände nicht nur malend im Spiel? Und wer ist dieser Bauernjunge, der einer jungen Maid aus gutem Haus den Kopf verdreht?

Keine Angst! Die Geschichte wird erzählt. Schon aus dem Grunde, dass ich Dürers Portrait einer unbekannten Maid aus dem Jahre 1507 nicht mehr in die Augen schauen könnte, ohne die darum kreisende Geschichte zu ende zu bringen. Die Phantasie hat sich 500 Jahre Zeit gelassen, bis sie mir diese Geschichte aufdrängte, nun wird der geneigte Leser dieser Zeilen sicher – bei aller Ungeduld – Verständnis aufbringen, dass ich etwas Zeit brauche um alles in eine passende Form zu giesen.

Ich werde mit meinen Mitteln versuchen, einen stimmigen Rock zu schneidern, der die Vorgänge im Nuremberga des Jahres 1507 meinen Zeitgenossen kleidsam präsentiert.
Meine Mittel sind dabei: ein Klavier, eine Gitarre und eine Hand voll befreundete Musiker. Erzählen will ich die Geschichte in 17 Songs, die zum Teil schon eine grobe Gestalt angenommen haben, zum Teil erst in meinem Kopf sind. Mit diesem Blog will ich für mich dokumentieren, wie die Songs entstehen, welche Transformationen geschehen zwischen dem Song im Kopf und den Aufnahmen, und nicht zuletzt wie die verschiedenen Beteiligten Einfluss nehmen auf das Gesamtwerk. Auch verschaffe ich mir selbst einen Überblick der 17 Teile, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden und einem permanenten Wandel ausgesetzt sind.